10er und oder 30
Es waren die 50er Jahre, als meine Großeltern 30 Jahre alt wurden. Damals war das noch so etwas wie ein halbes Leben.
Es waren die 80er Jahre, als meine Eltern 30 Jahre alt wurden. Damals war ich schon auf der Welt.
Es sind nun die 10er Jahre des neuen Jahrtausends. 30 Jahre sind nichts, bloß zehn Jahre nach der Pubertät, die Ausläufer der Jugendlichkeit. Jungerwachsensein vielleicht. Zeit zeigt sich nur im Haar- und Bauchansatz.
Die 50er waren die Wirtschaftswunderjahre, nachdem man den Karren ordentlich in den Dreck gesetzt hatte. In den 80ern stand die Welt ebenso nah am Abgrund, wie sie es aktuell tut. In den 80ern konnte man den Untergang aufschieben. Heute haben wir die Möglichkeit, stärkere Sonnencremes zu erfinden oder Hüte zu tragen. Andere sollten Schwimmen lernen.
Vor uns liegt nicht nur ein neues Jahr, sondern ein neues Jahrzehnt. Vielleicht die Möglichkeit, endlich neue, viel belächelte gute Vorsätze zu fassen. Zum Beispiel: Gute Vorsätze nicht mehr belächeln. Klar, postmodern weiß ich, wie marode gute Vorsätze und dass sie meist morsch bevor sie zu Ende gedacht sind. Postmodern weiß ich auch, wie wenig Halt postmodernes Denken bietet.
Guter Vorsatz No.1: Nur noch postmodern denken, wo es gut tut!
Guter Vorsatz No.2: Auch die große Form achten!
Guter Vorsatz No.3: Mit dem Rauchen aufhören und damit, andere vollzurauchen (denn Nichtraucher mögen das meist nicht)
Guter Vorsatz No.4: Der großen Politik zeigen wie Klimaschutz im Kleinen funktionieren kann
Guter Vorsatz No.5: Generationen- und Gesellschaftschichtenübergreifend freundlich sein
Guter Vorsatz No.6: Keine manifestnahen Texte schreiben!
Guter Vorsatz No.7: Gute Vorsätze auch dann noch ernst nehmen, wenn man sie längst unhaltbar sind.
In diesem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch und ein fertiles neues Jahr(zehnt)!
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