Dass wirklich jeder mindestens ein Apple iPad besitzen muss ist ebenso klar, wie es unklar ist, was man überhaupt mit diesem Technikspielzeug anfangen kann. Wer jedoch anfängt, die Nutzenfrage zu stellen, stellt das Produkt infrage. Der Hype aber lebt davon, dass keine Fragen gestellt werden.
So etwa mag auch der Gießener Anzeiger gedacht haben, als er unter der Überschrift „
Jeder Vierte will iPad haben“ eine Pressemitteilung der dpa verbreitete. Darin ist die Rede von einer „repräsentativen Umfrage“, die besage, „23 Prozent haben zumindest grundsätzliches Interesse daran“. Schnell sind aus 23 Prozent ein Viertel gemacht. Zur Verbildlichung für den Leser ein legitimer Vorgang. Wenn man sich allerdings die Mitteilung auf der Webseite des Auftraggebers der Umfrage (The Phone House) ansieht, liest man folgendes: „Jeder vierte Deutsche, der das iPad kennt, bekundet Interesse am Erwerb des neuen Apple Tablet-PCs (23 Prozent)“ (verifiziert hier am 20. Mai 2010). Dabei haben 'nur' 68 Prozent aller Deutschen etwas vom iPad gehört, was nicht heißt, dass sie es auch kennen. Tatsächlich liegt demnach der Prozentsatz jener, „die Interesse am Erwerb“ bekundet haben, bei etwa 15 Prozent, also knapp jedem Siebten und hierbei wurde nicht berücksichtigt, dass nur Deutsche ab 14 Jahren befragt wurden.
Wenn daraus wird, „Jeder Vierte will iPad haben“, dann läuft der Hype heiß.
Glücklicherweise für den Gießener Anzeiger sind sehr viele weitere Neuigkeitenverbreiter der Meldung auf dem Leim gegangen (Süddeutsche Zeitung, Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, Morgenpost, Frankfurter Rundschau), wie eine nicht umfassende Web-Recherche schnell ergeben hat. Da sich die Meisten in ihren Meldungen auf die dpa beziehen, ist davon auszugehen, dass die Pressemitteilung in der Redaktion der dpa nicht korrekt zusammengefasst und von den Verbreitern ohne größere Sorgfalt übernommen wurde.
An dieser Stelle Sorge zu äußern, ist nichtig. Entweder man ist ohnehin besorgt oder man hält diese kleinen Fehler des Journalismus für einen Teil des Systems der Nachrichtenproduktion und -vervielfältigung, wie es gerade funktioniert. Man kann ja immer nachbessern – an der Pressemitteilung wie am System.





