Bastian Buchtaleck

Die Ausweitung der eigenen Sichtbarkeit ist zum allgemeinen Gebot geworden

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Dossier: Buchmesse Leipzig 2010

Optimistische Lesemesse

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Die Leipziger Buchmesse 2010

Was zählen Preise, Besucher- und Verkaufszahlen, ja die Zukunft des Buchs gegen erste Sonnenstrahlen nach einem irgendwie lang gewordenen Winter? Solche Fragen stellt man sich, wenn man bei klarer Luft und Sonnenschein am ungetrübt schönsten Tag des nicht mehr ganz jungen Jahres stracks auf die Hallen der Messe Leipzig zu schreitet. Man müsste draußen spazieren gehen. Trotzdem sind die Ausstellerhallen der Leipziger Buchmesse voll, die großen Lesebühnen wie das blaue Sofa oder der Zeit-Stand von Zuhörern umlagert. Vielleicht, weil man sich schon das ganz Jahr lang auf diesen Rummel gefreut hat. Vielleicht wegen dieser besonderen Stimmung, die jeder Messe eigen ist. Vor allem aber wegen des Buchs, dessen Inhalte die langen Winterabende und scheinbar endlos graue Sonntage erleuchtet haben.

 

Für drei Tage, vom 18. bis zum 21. März, öffnete die Buchmesse Leipzig täglich von 10 – 18 Uhr auf 65.000 Quadratmetern Fläche einen Einblick in die weite Welt des Buchs. Die 2071 Aussteller aus 39 Ländern durften sich über ein leichtes Besucherplus freuen. Auch die Literaturfreunde wurden wieder mit dem Lesefest „Leipzig liest“ beglückt, dem größten seiner Art in Europa. Es fand nicht nur auf dem Messegelände, sondern an rund 300 Orten im gesamten Stadtgebiet statt. All dies hat der Leipziger Buchmesse den berechtigten Ruf einer „Leser- und Autorenmesse“ eingebracht.

Preis der Leipziger Buchmesse

Das für die Außenwahrnehmung wahrscheinlich wichtigste Einzelereignis war der zum sechsten Mal vergebene Preis der Leipziger Buchmesse. Drei Männer mit kaum Haaren auf dem Kopf gewannen diesen Preis in den einzelnen Kategorien. Georg Klein bekam für sein Buch „Roman unserer Kindheit“ die Auszeichnung in der Kategorie Belletristik. Ulrich Raulff wurde in der Kategorie Sachbuch/ Essayistik für seine Kulturgeschichtsschreibung über das Nachleben von Stefan Georges Gefolge „Kreis ohne Meister“ und Ulrich Blumenbach für seine Übersetzung des Mammutwerks „Unendlicher Spaß“ (Infinite Jest) des amerikanischen Autoren David Foster Wallace ausgezeichnet. [Link: http://www.buch-pr.de/news_1846.shtml und zur Bildergalerie]

Viele weitere Preise

Neben diesem Hauptpreis der Leipziger Buchmesse, der vor großem Publikum von Juryvorsteherin Verena Aufermann geradezu zelebriert wurde, wurden weitere, nicht minder wichtige Preise vergeben. Der Kurt Wolff-Preis der unabhängigen Verlage ging an Klaus Wagenbach für dessen Lebenswerk [Link: http://www.buch-pr.de/news_1841.shtml und zur Bildergalerie ]. Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ging an die Lyrik-Rezensentin Dorothea von Törne [Link: http://www.buch-pr.de/news_1835.shtml und zur Bildergalerie]. Der 11. BuchMarkt-Award für Marketing­kommunikation wurde in insgesamt acht Kategorien an 25 Preisträger verliehen. Zum Beispiel gewann in der Kategorie Printwerbung des Jahres Bastei-Lübbe mit seiner Aktion „Jean-Christophe Grangé: Choral des Todes“. Der Hosentaschenverlag gewann in der Kategorie Newcomer des Jahres mit seinem Slogan „Snack für den Geist?“ und die Buchhandelskampagne des Jahres ging fast erwartungsgemäß an die Buchhandelsaktion 5plus. Den internationalen Buchgestaltungswettbewerb „Schönste Bücher aus aller Welt“ hat der Band „XX – Die SS-Rune als Sonderzeichen auf Schreibmaschinen“ gewonnen, der von Elisabeth Hinrichs, Aileen Ittner und Daniel Rother gestaltet wurde. Ein wenig abseitiger war der mit 500 € dotierte BoD-Autoren-Award. Er wurde zum ersten Mal für ein Sachbuch verliehen und zwar an den Frankfurter Ernährungswissenschaftler Uwe Knop für dessen Buch „Hunger & Lust – Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz“.

Zukunft des Buchs – elektronisch und Nachwuchs

Wie seit jeher in den letzten Jahren lag ein Messe-Schwerpunkt auf der Frage nach der Zukunft des Buchs und wieder wurde gespannt der Durchbruch des eBooks als relevanter Marktteilnehmer erwartet. Allerdings scheint es, als nehme die Aufregung um das digitale Buch proportional in dem Maße ab, wie es zunehmend zur selbstverständlichen Realität wird. Wie weit die Entwicklung schon ist und was vielleicht noch fehlt, davon konnte man sich bei der Präsentation der neuesten Generation von eBook-Readern „Lesen im 21. Jahrhundert“ informieren [Link: http://www.buch-pr.de/news_1838.shtml und zur Bildergalerie]. Neben einigen weiteren Veranstaltungen, widmeten sich auch die beiden Diskussionsrunden „Die jungen Wilden in der Buchbranche“ [Link: http://www.buch-pr.de/news_1844.shtml und zur Bildergalerie] und „Buch trifft Film trifft Internet trifft Games“ [Link: folgt] der Frage nach der Zukunft des Buchs. Besonders in diesen Veranstaltungen war die Präsenz des ideellen Trägers der Leipziger Buchmesse, des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels spürbar.

Dagegen war der zweite Karrieretag Buch und Medien ganz in der Gegenwart verankert, aber auf die Zukunft ausgerichtet [Link: http://www.buch-pr.de/news_1836.shtml und zur Bildergalerie]. Wenn sich die Anforderungen an die Buchbranche ändern, warum sollte sich nicht auch das Image der Buchbranche ändern? Für diese notwendige Imageaufbesserung wurde vom Börsenverein die Kampagne „ZukunftBuch“ vorgestellt [Link: http://www.buch-pr.de/news_1832.shtml und zur Bildergalerie]

Cosplayer sehr präsent

Neben vielen Lesungen, richtungweisenden Diskussionen, Vergangenheit fixierenden Ehrungen und nicht zuletzt der Würdigung herausragender Leistungen, waren die sogenannten Cosplayer, kurz für Costume Player, mittlerweile ein bunter Bestandteil der Leipziger Messeflure. Ihre Interessen an der Buchmesse sind ganz andere, als die der klassischen Besucher und doch findet man sie in allen Hallen, an allen Ständen und durchaus interessiert. [Link: http://www.bastianbuchtaleck.de/index.php/arbeitsschwerpunkte/25-texte/18-cosplayer]

Wie kann man – zuletzt – über eine Messe urteilen, deren Größe und Vielfalt jeden individuellen Überblick sprengt? Vielleicht die Stimmung wiedergeben, die auf den Fluren herrschte? Die war überwiegend gut bis ausgelassen. Vielleicht die Brancheninnovationen messen? Man hatte sich bemüht, viele Ansätze gezeigt. Vielleicht den Fachbesuchern auf die Finger schauen? Vielleicht Geschäftsabschlüsse zählen oder nach Netzwerkkontakten sortieren? Oder sich selbst befragen. Aus welchem Interesse auch immer: Wer dieses Jahr in Leipzig war, wird nächstes Jahr bestimmt wieder kommen. Alte und neue Autoren, alte und neue Themen, innovative Unternehmen und traditionsreiche Verlage werden die geneigten Besucher zur Lese-Messe in Leipzig erwarten. Und immerhin: Es wurde viel seltener gefragt, ob in Zukunft noch gelesen wird, und vielmehr, wie gelesen wird.

 

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