Misserfolg als gesellschaftliche Permanenz
Krausser, Helmut: Einsamkeit und Sex und Mitleid, Dumont, Köln 2009, 223 Seiten, ISBN 978-3-8321-8092-8, 19,95 €; [
4/6]
Was ist zu erwarten, wenn der verdiente und sehr umtriebige Autor Helmut Krausser einen Roman mit dem Titel-Dreiklang „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ schreibt? Immerhin erinnert dieser offensichtlich an die Trias „Einigkeit und Recht und Freiheit“ und eröffnet somit eine größere Perspektive. Wenn insgesamt 17 Figuren in ebenso vielen Handlungssträngen in der vermeintlich aufregendsten Stadt Deutschlands auf den dafür sehr knappen 223 Seiten um die Aufmerksamkeit des Lesers buhlen, liegt es berechtigterweise nah, ein umfassendes Sittengemälde hinter dem Buch zu vermuten.
Erzählt wird „Einsamkeit und...“ in einzelnen Episoden, die meist eine oder zwei der Figuren als Protagonisten haben. Durch detaillierte, überprüfbare Ortsangaben entsteht ein realistisches Setting, welches konterkariert wird durch die irreal absurden Situationen, denen die Figuren ausgesetzt sind. Für die Figuren sind Misserfolg und darauf folgend Scham bestimmender denn die titelgebenden Substantive. Denn dies ist ihnen gemeinsam: Sie alle leben in einer Art fortwährendem Misserfolg. Misserfolg als gesellschaftliche Permanenz. Einsamkeit und Sex sind nachrangig anzutreffen. Mitleid fehlt völlig...
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